23.06.2010 11:31
Wolfgang Muchitsch, Barbara Porod und Gerhard Widmann vor dem Ausstellungsbereich

Foto: UMJ / N. Lackner. v.l.n.r.: Fr. Wolfgang Muchitsch, Dr. Barbara Porod, Mag. Gerhard Widmann

Mit dem Flugzeug in die Römerzeit - Eine Fortsetzung

Die Römische Villa Thalerhof findet auch in Zukunft Platz am Flughafen Graz; nicht nur in der Erde, sondern auch als informative Kleinausstellung.

Die Ausstellung, in deren Rahmen auch einige Originalfundstücke zu bewundern sind, wird vom Flughafen Graz in Kooperation mit dem Universalmuseum Joanneum direkt im Ankunftsbereich gezeigt.

Schon im vergangenen Jahr wurde die Villa Thalerhof dem interessierten Publikum zwei Monate lang im Rahmen einer Sonderausstellung in der Flughafengalerie präsentiert. „Da haben wir gesehen, wie interessiert unsere Gäste an diesem Thema sind“ erklärt Gerhard Widmann, Geschäftsführer des Flughafen Graz. „Deshalb haben wir uns den Kopf zerbrochen, wie wir die Villa auch weiterhin „zugänglich“ machen könnten. Aus diesen Überlegungen ist nun die kleine Dauerausstellung entstanden, mit der wir – Dank der Unterstützung des Universalmuseums Joanneum - auch einige wunderschöne Originalfunde präsentieren können“. Für Joanneum-Direktor Wolfgang Muchitsch ist „der Flughafen Graz als Ankunftsort vieler unserer Besucherinnen und Besucher ein wichtiger Partner in der Vermittlung unserer Museen. Anhand originaler Objekte weisen wir nicht nur auf die Bedeutung der Villa Thalerhof, sondern auch auf die Leistungen der Landesarchäologie hin.“
„Wir Archäologen/innen beschäftigen uns zwar hauptsächlich mit der Vergangenheit, wirken mit unseren Resultaten aber auch auf die Gegenwart und die Zukunft ein“, so die Leiterin der Archäologischen Sammlungen des Joanneums, Barbara Porod. „Uns freut es, dass wir in der Ankunftshalle des Flughafens Graz Interessierten Einblicke in unsere Arbeit geben können.“
Zu sehen sind die Objekte der Villa Thalerhof am Flughafen Graz von Juni 2010 bis Ende April 2011 – eine Weiterführung darüber hinaus ist in Planung. Auch die digitale dreidimensionale Rekonstruktion des Baukörpers der Villa wurde wieder in die Ausstellung integriert.
Viele weitere spektakuläre Objekte, wie etwa den Strettweger Kultwagen oder den Silberbecher von Grünau, können Besucherinnen und Besucher im Archäologiemuseum in Eggenberg bewundern.


Foto: UMJ / N. Lackner

Die Villa Thalerhof:
Wo heute Flugzeuge starten und landen, lag vor etwa 1800 Jahren eine römische Villa – ein luxuriöses Herrenhaus als Zentrum eines riesigen landwirtschaftlichen Gutsbetriebes. Die Villa war über 160 Meter lang. Sie besaß 80 Repräsentations-, Wohn- und Wirtschaftsräume und war mit allem ausgestattet, was in der Römerzeit zu einem Wohnsitz der Oberschicht gehörte: So gab es einen aufwändigen Bade- und Saunatrakt, marmorne Wandtäfelungen, Wand- und Deckenmalereien, Stuckverzierungen, Mosaiken und Fußboden- und Wandheizungen im ganzen Haus.
In den Jahren 1937 bis 1939 führte das Joanneum Ausgrabungen in der Villa unter der Leitung von Walter Schmid durch, der die Villa auch als einen der „größten und prächtigsten Römerbauten der Ostalpen“ bezeichnet hat. Seither werden die Funde im Universalmuseum Joanneum aufbewahrt, erforscht und vermittelt.